Weil ich jetzt grad Lust dazu habe verkünde ich jetzt hier die schönsten Filme, die mir gerade so einfallen. Vielleicht reizt es ja den Einen oder Anderen auch mal reinzuschauen...Nur so als Warnung: "Schöne Filme" heisst bei mir meistens, dass eigentlich im ganzen Film nichts passiert. Eigentlich

Schuld an dem Thread ist
"The Band's Visit". Coup-de-Coer-Preisträger am Filmfestival Cannes 2007, und hat sich sofort einen Platz auf meiner Bestenliste erobert.
Story: Ägyptische Polizeiband strandet für einen Tag (oder eher eine Nacht) in der israelischen Wüste.
Soweit so gut. Das Ganze ist aber mit soviel Liebe zum Detail und einer ausgezeichneten Kameraführung und Bildkomposition umgesetzt worden, dass das alleine schon reicht um den Film sehenswert zu machen. Dazu kommt eine herrliche Mischung aus Witz und Melancholie. Zugegeben hätte man wohl mehr aus dem Thema rausholen können. Aber ob das nicht zuviel gewesen wäre? Wer weiss.
So à propos Filme, in denen eigentlich gar nichts passiert, da muss ich natürlich
"Jour de fête" (Das Schützenfest) von Jaqcues Tati erwähnen. Auch wenn der Film 1947 gedreht wurde, so finde ich den immer noch durchaus verständlich und begreiflich, und ich denke das schaffen auch Leute, die nicht auf dem Land aufgewachsen sind.
Story: Ein verschlafenes Kaff irgendwo im Frankreich der Nachkriegszeit mit unglaublich liebenswürdigen Einwohnern, und mittendrin der Postbote, der per Zufall einen Film über die technischen Errungenschaften der Amerikaner sieht und beschliesst, diese neue Geschwindigkeit jetzt auch mit seinem Fahrrad umzusetzen. Nicht nötig zu erwähnen, dass Desaster folgt.
Auch wenn der Film etwas nach einer Ansammlung nach Slapsticks aussieht, so kann man sich total in den Streifen verlieben, und es braucht gar nicht viel Vorstellungsvermögen, um auch unter dem einfachen Humor der Gags die traurige Wahrheit zu erkennen...
Wie, in dem Fall passiert noch zuviel? Na, dann auf zu Jim Jarmusch und
"Night on Earth". Ein absolutes Muss für jeden Filmliebhaber, wenn auch irgendwie ziemlich schräg - Jarmusch eben. Story: Eine Nacht, gleiche Zeit, fünf verschiedene Grosstädte irgendwo auf der Welt, und fünf Taxifahrer. Keine der Szenen ist synchronisiert, wer nicht vier Sprachen spricht muss sich an die Untertitel halten.
Wenig Oberflächliches, massig Tiefsinn, umrahmt von Tom Waits' Musik und einfachen Bildern. Meine Lieblingsnacht? New York. Armin Müller-Stahl in einer Traumrolle...
(Der Fairness halber bleibe ich bei einem Film von Jim Jarmusch, auch wenn sowohl
"Dead Man" als auch
"Coffee&Cigarettes" unbedingt sehenswert sind)
À propos Nacht. Schon mal in eine fremde Stadt geflogen und nicht schlafen können? So in etwa darum geht es in
"Lost in translation". Ich bin mir fast sicher, dass ich kaum erklären muss um was es in diesem Prachtsstück geht. Banal gesagt: Alter Mann trifft junge Frau in einer völlig fremden und überfordernden Stadt, und beide merken irgendwie, dass sie ihr Leben verpasst haben.
Der immer etwas gleich aussehende Hundeblick von Bill Murray passt hier hervorragend hinein. Das Sounddesign hat mich beim ersten Ansehen zwar etwas verwirrt, aber nachdem ich den Film nach dem ersten Mal gleich nochmal angeschaut habe, wurde mir klar, dass der Film eine pefekte Mischung ist - ohne Musik wirken die Bilder nur halb so gut, und ohne die Bilder wirkt die Musik nur halb so gut. Den Trick hat Regisseurin Sofia Coppola vielleicht auch einfach nur Papi Francis Ford C. abgeschaut - zumindest kenne ich den Effekt von Apocalypse Now.
Etwas mehr Action (aber immer noch nicht wirklich viel) gibts in
"The Dish". Leichtfüssige Komödie aus Down under, die einem schnell in ihren Bann zieht. Story: 16. bis 21. Juli 1969 - vom Abflug von Apollo 11 bis zur Mondlandung. Die Geschichte spielt in einem kleinen Städtchen in Australien, welche ein Radioteleskop besitzt und damit Teil der NASA-Mission ist; und um die Belegschaft eben dieser Schüssel geht es im Film.
Schön gezeichnete Charaktere, die ganzen kleinen Dinge des alltäglichen Lebens im Vergleich zu einem Weltereignis, der Soundtrack passend zur Zeit...Muss man gesehen haben.
Mit Dankesfussnote an Ulko für den folgenden Tipp:
"Zugvögel - einmal nach Inari". Deutscher Lastwagenbeifahrer möchte gerne nach Lappland am ersten internationalen Wettbewerb für Kursbuchleser (gehts noch spiessiger?) teilnehmen, wird aber mehr oder weniger ohne es zu wissen von der Polizei verfolgt, da die glaubt er hätte seinen Chef ermordet.
Hauptsächlich eine Liebeserklärung an Finnland, aber auch für nicht so nordisch angehauchte ein schöner, ruhiger Film mit gut komponierten Bildern und Dialogen. Auch hier - man hätte vielleicht aus dem Thema mehr machen können, aber manchmal ist weniger eben doch mehr.
Ok, ich gebe zu: Es geht auch mit Action. Primo posto: Pedro Almodóvar's
"Volver". Eigentlich ein total abgedrehter Film, wie man Almodóvar eben so kennt: Die Spanierin Raimunda hat die Leiche ihres Mannes in der Tiefkühltruhe eines Bekannten zwischengelagert und sollte die jetzt irgendwie loswerden, und gleichzeitig geht angeblich auch noch ihre Mutter als Geist herum...
Ein Film, in dem es hauptsächlich um Frauen und ihr Leben geht, aber ich denke, auch Männer könnten ihn mögen.
Auf die Gefahr hin, jetzt ein paar Leute zu schocken: Absolut sehenswert ist Howard Hawks'
"Rio Bravo". Ein typischer Western an und für sich, aber schon dermassen ein typischer Western, dass er fast als Parodie auf den typischen Western durchgehen könnte. Die Handlung wird nie einen Nobelpreis für Literatur bekommen, aber der Film behauptet sich nicht durch seine Handlung (Sheriff behauptet sich mit drei mehr oder weniger brauchbaren Verbündeten gegen den bösen, bösen Rinderbaron), sondern durch seine Charaktere. John Wayne in bärbeissiger Höchstform, die er eigentlich nur 17 Jahre später in "The Shootist" so nochmal hinkriegte.
Sind wir gerade bei bei den bekannteren Schauspielern? Da hab ich noch welche...
"About Schmidt" - Jack Nicholson ist ja sonst eher so der Horror-Movie-Schauspieler. Aber irgendwie ist dieses schräge Roadmovie auch eine Art Gruselerlebnis...Da macht sich der eher spiessige und kleinbürgerliche Warren Schmidt nach dem plötzlichen Tod seiner Frau auf, um die Hochzeit seiner Tochter zu verhindern. Dabei trifft er aber unterwegs hauptsächlich sich selbst...In der Auflistung hier nicht einer der Besten, aber trotzdem, einfach schön.
Ganz klar zu den Besten hier gehört meiner Ansicht nach
"Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran" (M...und die Blumen des Koran). Wer kann, schaut ihn auf französisch, das macht den Streifen gleich doppelt so liebenswürdig. Omar Sharif als ein stoischer, ewig lächelnder Besitzer eines Quartiersladens in Paris, Pierre Boulanger als der etwas hilflose charmante jüdische Junge aus der kaputten Familie...ein Meisterwerk, berührend, erheiternd, wie ich es bisher noch nicht erlebt habe.
Bruno Ganz kennen die meisten Deutschen wohl nur aus dem "Untergang". Aber er hat ja schon des Öfteren gezeigt, dass ihm wohl keine Rolle zu schwer sein wird. Am Besten gibt er aber den etwas ausserhalb stehenden Kauz, so auch in
"Pane e Tulipani" (Brot und Tulpen).
Da strandet eine italienische Hausfrau irgendwo auf der Autobahn und beschliesst, per Autostop nach Hause zu fahren. Irgendwie landet sie dann aber in Venedig, und kommt von der Stadt nicht mehr los. Dort arbeitet sie bei einem herrlichen anarchistischen alten Blumenhändler und trifft dann auch den Kellner Fernando, der eigentlich aus Island kommt und sich eigentlich auch gerade umbringen wollte...
Eine schöne Geschichte einer Frau, die plötzlich merkt, dass das Leben mehr zu bieten hat für einen cholerischen Mann staubzusaugen, und einem Venedig der Hinterhöfe und Gassen, die so fast schöner rüberkommen als die touristenüberströmten Brücken und piazze.
Viel Spass!